BU: Ein ausgezeichnetes Produkt – SkyBot der CeiliX Technology GmbH. Foto: CeiliX Technology GmbH

LogiMAT Innovationen 2026 markieren einen präzisen Blick auf den aktuellen Stand technologischer Entwicklung in der Branche. Auf der LogiMAT 2026 in Stuttgart wurde mit dem Preis „LogiMAT BEST PRODUCT 2026“ erneut ein Maßstab gesetzt, der weniger visionäre Versprechen als vielmehr konkrete Fortschritte in Effizienz, Automatisierung und Prozessoptimierung sichtbar macht. Aus mehr als einhundert Bewerbungen wählte eine unabhängige Jury aus Wissenschaft und Fachjournalismus drei Lösungen aus, die exemplarisch für unterschiedliche Entwicklungspfade innerhalb der Intralogistik stehen.

Die Preisverleihung fand im Rahmen der offiziellen Messeeröffnung statt und wurde von Prof. Dr.-Ing. Johannes Fottner, Ordinarius des Lehrstuhls für Fördertechnik Materialfluss Logistik der Technischen Universität München, begleitet. Die Auswahl verdeutlicht, dass sich Innovation in der Intralogistik derzeit weniger durch einzelne Technologiesprünge als vielmehr durch das Zusammenspiel von Software, Sensorik und mechanischen Systemen definiert.


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LogiMAT Innovationen 2026 Intralogistik: Daten werden zur operativen Ressource

In der Kategorie „Software, Kommunikation, IT“ wurde der EPG AURA Observer der Ehrhardt Partner Group ausgezeichnet. Die Lösung adressiert ein Feld, das in der Praxis lange als unerschlossen galt: Die kontinuierliche Nutzung von Videodaten als operative Informationsquelle.

Während Videomaterial bislang vor allem zur nachträglichen Analyse von Ereignissen diente, ermöglicht der AURA Observer eine Echtzeitinterpretation von Bilddaten direkt im laufenden Betrieb. Grundlage ist eine Kombination aus kamerabasierter Analyse und KI-gestützten Vision-Language-Modellen, die semantische Zusammenhänge erkennen und bewerten können. Bewegungen werden nicht nur detektiert, sondern in ihrem Kontext interpretiert. Damit entsteht aus bislang passiven Datenströmen eine aktive Entscheidungsgrundlage für operative Prozesse.

Bemerkenswert ist dabei die Art der Datenverarbeitung. Die Bildinformationen werden nicht gespeichert, sondern unmittelbar analysiert und in verwertbare Signale überführt. Ereignisse lassen sich flexibel definieren und an spezifische Anforderungen anpassen. Gleichzeitig bleibt der Datenschutz gewahrt, da Personen ausschließlich anonymisiert verarbeitet werden und keine visuellen Rohdaten archiviert werden.

Die Entwicklung zeigt, wie sich der Fokus in der Intralogistik verschiebt. Daten entstehen nicht mehr nur als Nebenprodukt von Prozessen, sondern werden gezielt als Steuerungsgröße genutzt. Die Herausforderung liegt dabei weniger in der Datenerfassung als in ihrer sinnvollen Interpretation und Integration in bestehende Systeme.

Neue Bewegungsräume: Automatisierung verlagert sich an die Decke

Einen anderen Ansatz verfolgt die CeiliX Technology GmbH mit dem SkyBot, der in der Kategorie „Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lagertechnik“ ausgezeichnet wurde. Das System erschließt eine bislang kaum genutzte Dimension der Intralogistik: die Hallendecke als Bewegungsraum.

Der mobile, omnidirektionale Decken-Cobot bewegt sich entlang eines modularen Schienennetzes, das unabhängig von bestehenden Bodenstrukturen installiert wird. Dadurch entkoppelt sich die Automatisierung von klassischen Einschränkungen wie Verkehrswegen, Maschinenlayouts oder Platzverhältnissen. Besonders in dicht genutzten Produktions- und Lagerumgebungen eröffnet dies neue Möglichkeiten.

Der SkyBot kann Montage-, Transport- und Handhabungsaufgaben übernehmen, ohne in bestehende Prozesse am Boden einzugreifen. Mehrere Einheiten lassen sich parallel betreiben und flexibel koordinieren. Die Fähigkeit, sich gegenseitig zu überholen oder unterschiedliche Aufgaben gleichzeitig zu übernehmen, verweist auf einen Ansatz, der weniger auf starre Automatisierung als auf adaptive Systeme abzielt.

Auffällig ist, dass die technologische Innovation hier nicht allein in der Robotik liegt, sondern in der Kombination aus Infrastruktur und Bewegungslogik. Das Deckenschienensystem bildet die Grundlage für eine neue Form der Flächennutzung, die insbesondere in Bestandsgebäuden von Bedeutung sein kann. Automatisierung wird damit nicht nur leistungsfähiger, sondern auch räumlich flexibler.


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LogiMAT Innovationen 2026 im Bereich Sensorik: Wahrnehmung neu gedacht

Mit der Auszeichnung für den ADAR-Sensor des norwegischen Unternehmens Sonair rückt ein dritter Aspekt in den Fokus: die Wahrnehmungsfähigkeit autonomer Systeme. In der Kategorie „Identifikation, Verpackungs- und Verladetechnik, Ladungssicherung“ würdigte die Jury eine Technologie, die auf Ultraschall basiert und eine Alternative zu etablierten Verfahren wie LiDAR darstellt.

Die ADAR-Technologie nutzt akustische Signale, um dreidimensionale Informationen über die Umgebung zu erfassen. Durch die Kombination spezialisierter Ultraschallumwandler mit softwarebasierter Signalverarbeitung entsteht ein vollständiges räumliches Bild, das es Robotern ermöglicht, Hindernisse und Personen in unterschiedlichen Höhen zu erkennen.

Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend von optischen Verfahren. Statt Licht nutzt das System Schallwellen, was sowohl energetische als auch wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. Die Sensorlösung arbeitet mit geringem Energieverbrauch und reduziert gleichzeitig die Komplexität der benötigten Hardware. In vielen Anwendungen kann sie mehrere Sensorsysteme ersetzen und damit Kosten sowie Integrationsaufwand verringern.

Für den praktischen Einsatz bedeutet dies eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Autonome Systeme können ihre Umgebung zuverlässiger erfassen und auf Veränderungen reagieren. Gleichzeitig sinken die Anforderungen an die Systemarchitektur, was insbesondere für kleinere und mittlere Anwendungen relevant ist.

Integration als verbindendes Prinzip

Die drei ausgezeichneten Lösungen verdeutlichen unterschiedliche Perspektiven auf die Intralogistik, folgen jedoch einem gemeinsamen Prinzip: Der Integration. Ob Datenanalyse, Bewegungsraum oder Sensorik – entscheidend ist jeweils, wie sich die Technologie in bestehende Prozesse einfügt und welchen Beitrag sie zur Gesamtleistung des Systems leistet.

Die LogiMAT Innovationen 2026 zeigen damit eine Entwicklung, die weniger von spektakulären Einzeltechnologien geprägt ist als von der Fähigkeit, verschiedene Komponenten sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Software, Hardware und Daten bilden zunehmend ein zusammenhängendes System, dessen Leistungsfähigkeit sich erst im Zusammenspiel entfaltet.


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Bedeutung für die Praxis: Zwischen Machbarkeit und Anwendung

Für Anwender in Industrie und Logistik stellt sich damit eine grundlegende Frage: Welche Technologien lassen sich unter realen Bedingungen einsetzen, und welche bleiben vorerst im experimentellen Stadium? Die ausgezeichneten Produkte liefern darauf unterschiedliche Antworten.

Der AURA Observer zeigt, wie datenbasierte Systeme bereits heute operative Mehrwerte generieren können. Der SkyBot eröffnet neue Möglichkeiten, ist jedoch eng an infrastrukturelle Voraussetzungen gebunden. Die ADAR-Technologie wiederum adressiert ein zentrales Problem autonomer Systeme und könnte deren Einsatzbreite nachhaltig erweitern.

Gemeinsam ist allen Entwicklungen, dass sie nicht isoliert betrachtet werden können. Ihr Nutzen entsteht erst im Kontext konkreter Anwendungen, bestehender Prozesse und verfügbarer Daten. Die LogiMAT 2026 macht damit deutlich, dass technologische Innovation in der Intralogistik zunehmend eine Frage der Systemarchitektur ist.

Ausblick: Entwicklungslinien statt Einzeltrends

Die LogiMAT Innovationen 2026 Intralogistik lassen sich als Momentaufnahme einer Branche verstehen, die sich in einer Phase der Neujustierung befindet. Der Fokus verschiebt sich von der Frage, was technisch möglich ist, hin zu der Frage, was sich wirtschaftlich und betrieblich sinnvoll umsetzen lässt.

Die ausgezeichneten Lösungen stehen exemplarisch für drei Entwicklungslinien: die Nutzung von Daten als operative Ressource, die Erweiterung physischer Bewegungsräume und die Verbesserung sensorischer Wahrnehmung. Zusammengenommen zeichnen sie ein Bild von Intralogistiksystemen, die zunehmend intelligenter, vernetzter und anpassungsfähiger werden.