BU: Das umfangreiche Automatisierungsportfolio von Linde MH besteht aus standardisierten und individuellen Lösungen wie dem Linde L-MATIC core und dem Linde I-MATIC AC core sowie stationären Anwendungen wie der Shuttle-Lösung Linde S-MATIC cube. Grafik: Linde MH

Automatisierte Intralogistik Systeme 2026 bringen Bewegung in die Branche. Selten zuvor hat sich ein Segment der Logistik so dynamisch verändert wie die Automatisierung innerbetrieblicher Materialflüsse. Was sich auf Fachmessen wie der LogiMAT 2026 abzeichnet, ist weniger ein technologischer Umbruch als vielmehr eine zunehmende Differenzierung zwischen marktreifen Lösungen und experimentellen Konzepten. Linde Material Handling positioniert sich in diesem Spannungsfeld mit einem erweiterten Portfolio, das sowohl industrielle Anwendungen als auch zukünftige Entwicklungslinien sichtbar macht.

Automatisierte Intralogistik Systeme 2026 im Spannungsfeld von Praxis und Entwicklung

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass Automatisierung längst nicht mehr ausschließlich eine Frage technologischer Machbarkeit ist. Vielmehr geht es zunehmend um Anpassungsfähigkeit, Skalierbarkeit und Integration in bestehende Systemlandschaften. Gerade in Branchen mit spezifischen Anforderungen, etwa der Getränke- oder Papierindustrie, steigen die Erwartungen an autonome Systeme deutlich.

Mit der neuen Baureihe Linde I-MATIC core adressiert das Unternehmen genau diesen Bedarf. Die hochgradig individualisierbaren fahrerlosen Transportsysteme sind darauf ausgelegt, unterschiedliche Lastträger und komplexe Handhabungsaufgaben zu bewältigen. Durch den Einsatz spezialisierter Anbaugeräte wie Doppelpalettenklammern oder Papierrollenklammern lassen sich auch anspruchsvolle Transportaufgaben automatisieren. Die Systeme bewegen Lasten von bis zu vier Tonnen und erreichen Hubhöhen von bis zu 6,7 Metern. Diese Leistungsdaten verweisen auf einen klaren Trend: Automatisierung wird zunehmend auch in Bereichen eingesetzt, die bislang als zu variantenreich oder zu komplex galten.


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Humanoide Robotik: Zwischen Demonstrator und Anwendung

Parallel zu diesen industriell etablierten Lösungen zeigt sich auf der LogiMAT 2026 ein weiteres Feld, das aktuell besondere Aufmerksamkeit erhält: Humanoide Robotik. Der von Linde präsentierte Roboter „Carl“ steht exemplarisch für diese Entwicklung. In einem Live-Szenario demonstriert er, wie sich Kommissionieraufgaben perspektivisch verändern könnten.

Die Interaktion beginnt über ein Tablet, über das Besucher ihre Bestellung aufgeben. Der Roboter wählt anschließend eigenständig den optimalen Weg zum Regal, identifiziert die gewünschte Flasche und greift sie mit einer seiner beiden Hände. Auffällig ist dabei der Grad an Autonomie: Der Ablauf ist nicht vollständig vorprogrammiert, sondern basiert auf einem trainierten KI-Modell, das Entscheidungsprozesse eigenständig ausführt.

„Wir zeigen mit dem humanoiden Roboter den nächsten Entwicklungsschritt bei der Kommissionierung. Bis daraus ein marktreifes Produkt wird, dauert es aber noch ein paar Jahre“, erläutert Jan-Niklas Freund, Manager Automation Sales Steering bei Linde MH. Er verweist damit auf den derzeitigen Status solcher Systeme, die sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Innerhalb des KION-Konzerns wird an verschiedenen Standorten an diesen Technologien gearbeitet, häufig in Kooperation mit externen Partnern.

„Bereits heute haben wir mit dem Linde RoCAP ein marktreifes Fahrzeug im Angebot, das über einen intelligenten Roboterarm mit Greifvorrichtung verfügt und KI-gestützt Warenpakete im Regal erkennt und kommissioniert. Ziel der humanoiden Robotik ist eine verfeinerte Mechanik, kombiniert mit weiterentwickelter KI, um Aufgaben im Lager zu erfüllen, die über das heutige Spektrum weit hinausgehen“, so Jan-Niklas Freund. Dies zeige, dass humanoide Systeme weniger als kurzfristige Lösung, sondern vielmehr als langfristige Entwicklungsrichtung zu verstehen sind.

Steigende Anforderungen treiben Systementwicklung

Die zunehmende Verbreitung von Automatisierungslösungen geht einher mit steigenden Anforderungen seitens der Anwender. Insbesondere robuste, leistungsfähige Systeme, die sich flexibel an unterschiedliche Einsatzszenarien anpassen lassen, gewinnen an Bedeutung. Der autonome Hochhubwagen Linde I-MATIC AC core verdeutlicht diese Entwicklung.

Durch seine Konstruktion mit freitragenden Gabeln ist das Fahrzeug in der Lage, auch geschlossene Ladungsträger zu transportieren oder Übergabestationen zu bedienen, die für klassische Sensoriklösungen schwer zugänglich sind. Gleichzeitig erlaubt die hohe Tragfähigkeit den Einsatz in Bereichen mit schweren Lasten, etwa beim Handling von Papierrollen oder beim gleichzeitigen Transport mehrerer Paletten.

Die Vielfalt der verfügbaren Varianten zeigt, dass sich Automatisierung nicht mehr auf standardisierte Anwendungen beschränkt. Modelle für Tiefkühllager oder spezielle Lagerlayouts erweitern das Einsatzspektrum zusätzlich. Ein weiteres Beispiel ist ein Fahrzeug mit integriertem Förderband, das Ladungsträger flexibel aufnehmen und absetzen kann. Solche Lösungen verdeutlichen den Trend hin zu multifunktionalen Systemen, die sich in komplexe Materialflüsse integrieren lassen.


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Software als verbindendes Element

Während die Hardware zunehmend spezialisierter wird, rückt die Software als verbindendes Element in den Mittelpunkt. Die Fahrzeuge basieren auf der Plattform MATIC:move+ und werden durch den Linde Warehouse Manager gesteuert. Diese Systeme übernehmen zentrale Aufgaben wie Routing, Koordination und Übergaben innerhalb des Materialflusses.

Die Bedeutung solcher Plattformen liegt vor allem in ihrer Fähigkeit, heterogene Systeme miteinander zu verknüpfen. In der Praxis entscheidet sich hier, ob Automatisierungslösungen ihr volles Potenzial entfalten können oder an Schnittstellenproblemen scheitern. Die Integration in bestehende IT-Strukturen, insbesondere in Warehouse-Management- und Steuerungssysteme, wird damit zu einem entscheidenden Faktor.

Standardisierte und stationäre Systeme als Gegenpol

Neben hochgradig individualisierten Lösungen bleiben standardisierte Fahrzeuge ein zentraler Bestandteil des Portfolios. Der Linde L-MATIC core ist für klassische Aufgaben wie Bodentransporte oder Ein- und Auslagerungen konzipiert und zeichnet sich durch seine Einsatzfähigkeit in beengten Umgebungen aus. Mit einer geringen Arbeitsgangbreite eignet sich das System insbesondere für Lager mit begrenztem Platzangebot.

Ergänzt wird dieses Segment durch stationäre Lösungen wie den Linde S-MATIC cube. Das Shuttle-System ermöglicht eine hohe Lagerdichte und kombiniert verschiedene Komponenten wie Fördertechnik, Regale und Aufzüge zu einem integrierten Gesamtsystem. Die Fähigkeit, Paletten in vier Richtungen zu bewegen, erhöht die Flexibilität und trägt zu einer effizienten Flächennutzung bei.


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Einordnung: Reife schlägt Inszenierung

Die Entwicklungen im Umfeld der Intralogistik Automatisierung Trends 2026 lassen sich als Phase der Konsolidierung beschreiben. Während einzelne Technologien weiterhin Aufmerksamkeit erzeugen, zeigt sich in der Breite eine stärkere Fokussierung auf wirtschaftliche Skalierbarkeit und systemische Integration.

Humanoide Robotik bleibt vorerst ein Feld mit hohem Innovationspotenzial, aber begrenzter industrieller Relevanz im kurzfristigen Horizont. Gleichzeitig erreichen autonome Fahrzeuge, modulare Automatisierungssysteme und integrierte Softwarelösungen eine zunehmende Reife, die ihren Einsatz in realen Produktions- und Logistikumgebungen ermöglicht.

Die LogiMAT 2026 wird damit weniger als Bühne für spektakuläre Einzeltechnologien, sondern vielmehr als Spiegel eines strukturellen Wandels fungieren. Entscheidend ist nicht mehr, was technisch möglich ist, sondern was sich unter realen Bedingungen zuverlässig betreiben und wirtschaftlich skalieren lässt.