BU: Der AXL 15 iGo macht den Warenein- und -ausgang effizienter, planbarer und zuverlässiger. Standardisierte Prozesse ermöglichen reproduzierbare Abläufe – für Transparenz und Stabilität. Foto: STILL

Autonome Lkw Be- und Entladung gilt als eines der lange ungelösten Themen der Automatisierung. Während innerbetriebliche Transporte, Fördertechnik und Lagerprozesse in vielen Unternehmen bereits weitgehend automatisiert sind, blieb der Bereich der Lkw-Laderampe über Jahre hinweg eine Ausnahme. Nach der LogiMAT 2026 zeichnet sich nun deutlicher ab, dass sich dieses Bild verändert. Mit dem AXL 15 iGo hat STILL auf der Fachmesse in Stuttgart eine Lösung vorgestellt, die genau an dieser Schnittstelle ansetzt und den Übergang zwischen externer Lieferkette und internem Materialfluss neu organisiert.


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Autonome Lkw Be- und Entladung Intralogistik erreicht den Wareneingang

Der Warenein- und -ausgang gehört zu den Bereichen mit den höchsten operativen Anforderungen. Zeitdruck, wechselnde Einsatzbedingungen und ein zunehmender Mangel an qualifiziertem Personal prägen den Alltag an der Rampe. Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen wie variierende Trailer-Geometrien, enge Platzverhältnisse und hohe Sicherheitsanforderungen.

Vor diesem Hintergrund galt die Automatisierung des Be- und Entladens lange als schwer realisierbar. Der von STILL entwickelte Niederhubwagen AXL 15 iGo adressiert genau diese Lücke. Die Besonderheit liegt weniger in der Fahrzeugklasse als vielmehr in der Fähigkeit, ohne zusätzliche stationäre Sicherheitstechnik am Dock zu arbeiten. Damit entfällt ein wesentlicher Teil der infrastrukturellen Voraussetzungen, die bislang häufig als Hürde für Automatisierungsprojekte galten.

Dr. Florian Heydenreich, Geschäftsführer Sales & Service STILL, beschreibt die strategische Bedeutung dieser Entwicklung: „Mit dem AXL 15 iGo erschließen wir einen bislang blinden Fleck der Intralogistik und machen die automatisierte Be- und Entladung von Lkw erstmals standardisiert und damit massentauglich zugänglich“, sagt er und ergänzt: „Unsere Lösung macht den Warenein- und -ausgang effizienter, sicherer, planbarer und zuverlässiger. Durch die Standardisierung der Be- und Entladeprozesse entstehen reproduzierbare Abläufe. Das erhöht Prozessstabilität und Transparenz deutlich. Zugleich ist sie eine weitere wichtige Säule unserer Strategie, skalierbare Automatisierungslösungen für alle Bereiche der Intralogistik anzubieten und verfügbar zu machen.“


Der AXL 15 iGo ist die erste marktreife, in Serie gefertigte Lösung für das autonome Be- und Entladen von Lkw – ganz ohne stationäre Sicherheitstechnologie am Dock. Foto: STILL

Prozessleistung unter realen Bedingungen

Die Leistungsfähigkeit des Systems zeigt sich insbesondere im Zusammenspiel mehrerer Fahrzeuge. Zwei Einheiten des AXL 15 iGo sind in der Lage, bis zu dreißig Europaletten innerhalb von rund 35 Minuten autonom in einen Trailer zu verladen. Diese Kennzahl ist weniger als isolierter Wert zu verstehen, sondern als Hinweis auf die Reproduzierbarkeit und Planbarkeit der Abläufe.

Entscheidend ist dabei die Fähigkeit des Systems, sich an reale Bedingungen anzupassen. Der AXL 15 iGo erkennt die Situation im Trailer eigenständig und positioniert die Ladung entsprechend. Dies erfolgt ohne fest definierte Referenzpunkte im Umfeld, was insbesondere bei wechselnden Trailerkonfigurationen von Bedeutung ist.

Ein weiterer Aspekt ist die Flexibilität in der Implementierung. Da keine zusätzliche Infrastruktur am Dock erforderlich ist, lassen sich bestehende Anlagen ohne umfangreiche Umbauten in automatisierte Prozesse überführen. Dies reduziert nicht nur den Investitionsaufwand, sondern verkürzt auch die Einführungszeit.


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Sensorik und Navigation: Wechsel zwischen zwei Welten

Technisch basiert die Lösung auf einer Kombination unterschiedlicher Navigations- und Sicherheitskonzepte. Außerhalb des Trailers nutzt das Fahrzeug eine 3D-Visual-SLAM-Technologie, die es ermöglicht, sich in dynamischen Umgebungen zu orientieren. Dabei erkennt das System frühzeitig Veränderungen, etwa wenn ein Lkw unerwartet vom Dock entfernt wird, und reagiert entsprechend.

Sobald der AXL 15 iGo in den Trailer einfährt, wechselt das System in einen anderen Modus. Innerhalb des engen und strukturell klar definierten Raums kommt eine LiDAR-basierte Lokalisierung zum Einsatz, die eine präzise Positionierung der Paletten ermöglicht. Dieser Wechsel zwischen zwei technologischen Ansätzen ist ein Beispiel für die zunehmende Spezialisierung innerhalb automatisierter Systeme.

Ergänzt wird die Navigation durch ein umfassendes Sicherheitskonzept. Sensoren, Kameras sowie visuelle und akustische Signale sorgen dafür, dass Personen und Hindernisse zuverlässig erkannt werden. Die integrierte 3D-Palettenerkennung ermöglicht zudem den Umgang mit leicht versetzten oder nicht ideal positionierten Ladungsträgern.


Dank seiner innovativen Lokalisierungs- und Positionierungslogik und dem holistischen Sicherheitskonzept kann das Fahrzeug die reale Situation im Trailer selbstständig erkennen und Paletten präzise positionieren. Foto: STILL

Autonome Lkw Be- und Entladung als skalierbares System

Die Einbindung in bestehende IT- und Steuerungssysteme erfolgt über etablierte Schnittstellen. Der AXL 15 iGo nutzt den Standard VDA 5050 zur Flottenintegration und lässt sich über offene Programmierschnittstellen mit Warehouse-Management-Systemen verbinden. Damit wird deutlich, dass die Automatisierung am Dock nicht isoliert betrachtet werden kann, sondern Teil eines übergeordneten Materialflusssystems ist.

Die Einsatzmöglichkeiten erstrecken sich über verschiedene Branchen hinweg. Insbesondere dort, wo standardisierte Ladeeinheiten und hohe Umschlagsmengen vorherrschen, kann die Technologie ihre Stärken ausspielen. Gleichzeitig bleibt die Lösung an klar definierte Rahmenbedingungen gebunden, was ihre Einordnung als industriell nutzbares System unterstreicht.


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Einordnung nach der LogiMAT 2026

Mit der Präsentation auf der LogiMAT 2026 wurde der AXL 15 iGo erstmals einer breiteren Fachöffentlichkeit vorgestellt. Entscheidend ist jedoch weniger die Messepremiere als die unmittelbare Verfügbarkeit des Systems. STILL verfolgt damit einen Ansatz, der auf eine direkte Überführung in die Praxis abzielt.

Dr. Florian Heydenreich betont diesen Aspekt ausdrücklich: „Unsere Kunden wünschen sich verfügbare Lösungen. Daher haben wir bewusst einen realistischen, industriellen Start gewählt“, erklärt er. „Der AXL 15 iGo ist keine Konzeptstudie, sondern eine marktreife Lösung für die autonome Be- und Entladung von Hard- und Softwall-Trailern mit klar definierten Rahmenbedingungen.“

Diese Aussage verweist auf eine Entwicklung, die sich über die gesamte Messe hinweg beobachten ließ. Der Fokus verschiebt sich von prototypischen Demonstratoren hin zu Systemen, die unter realen Bedingungen eingesetzt werden können.


Fotos: STILL


Bedeutung für die Intralogistik

Die autonome Lkw Be- und Entladung Intralogistik steht damit exemplarisch für eine Phase, in der Automatisierung neue Prozessbereiche erreicht. Der Übergang zwischen externer und interner Logistik, lange als schwer zugänglich beschrieben, wird zunehmend in automatisierte Gesamtsysteme integriert.

Gleichzeitig zeigt das Beispiel, dass technologische Lösungen allein nicht ausreichen. Entscheidend ist ihre Einbettung in bestehende Prozesse, ihre Anpassungsfähigkeit an reale Bedingungen und ihre Fähigkeit, mit vorhandenen Systemen zu kommunizieren. Der AXL 15 iGo liefert hierfür einen konkreten Ansatz, dessen praktische Auswirkungen sich in den kommenden Jahren zeigen werden.