BU: Stefan Budweit, Präsident & CEO bei CLARK Europe GmbH. Foto: Clark Europe
Clark Europe treibt die Elektrifizierung seines Staplerportfolios konsequent voran und richtet Vertrieb sowie Service neu aus. Präsident & CEO Stefan Budweit erläutert im Interview die strategischen Stellhebel von Direktvertrieb bis Händlernetz, ordnet die Rolle der neuen Crossover-Elektrostapler ein und gibt Einblicke in die Lithium-Ionen-Roadmap. Für die Intralogistikbranche zeigt das Gespräch, wie Hersteller auf veränderte Einsatzprofile, steigende TCO-Anforderungen und den wachsenden Bedarf an Datenintegration reagieren.
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Herr Budweit, seit dem 1. Januar 2025 führen Sie Clark Europe als Präsident & CEO. Welche drei operativen Stellhebel priorisieren Sie – und woran messen Sie intern den Erfolg des Übergangs von der COO-Rolle zur CEO-Verantwortung?
Stefan Budweit: Wir haben uns entschieden, unsere Marktpräsenz zu erweitern. Zusätzlich zur Bearbeitung durch unsere etablierten Händler bauen wir einen Direktvertrieb für die Region Duisburg und Umgebung auf. Dieser Schritt war notwendig, da wir bestimmte Regionen in Deutschland, wie beispielsweise Düsseldorf oder das Rhein-Main-Gebiet, nicht optimal mit qualifizierten Händlern abdecken konnten. Diese Gebiete verfügen über ein Marktpotenzial, das wir künftig besser ausschöpfen wollen. Der Startschuss für den Direktvertrieb fiel bereits vor etwa vier Jahren, zunächst mit einem Verkäufer und einem Servicetechniker. Die Kundenakquise habe ich damals selbst übernommen.
Unsere Aktivitäten haben sich in den vergangenen vier Jahren positiv entwickelt, doch das volle Potenzial ist noch nicht erreicht. Als Konsequenz haben wir im letzten Jahr ein gegenüberliegendes Gebäude erworben und die „Clark Niederlassung West“ gegründet. Diese hat nun zusammen mit dem ebenfalls räumlich erweiterten „Clark R&D-Kompetenzzentrum“ ihren Sitz in den neuen Räumlichkeiten. Die Clark Niederlassung West ist damit ein integrierter Unternehmensbereich der Clark Europe GmbH, angesiedelt in unserer Europazentrale in Duisburg.
Ein weiteres zentrales Projekt ist der Umbau und Ausbau unseres Händlernetzwerks in der gesamten EMEA-Region. Hierzu haben wir in Märkten wie Großbritannien und Ungarn sogenannte „Mega-Dealer“ etabliert, die ihren jeweiligen Markt exklusiv mit Clark-Produkten und Services versorgen.
Last but not least haben wir unsere Mannschaft am Standort Duisburg verjüngt.
Ein Großteil unserer Führungskräfte stand kurz vor dem Ruhestand, wodurch ein Generationswechsel, primär in den Führungspositionen Technik und Intralogistik, notwendig war. Unser hoch motiviertes, junges Ingenieurteam ist jetzt zwischen 30 und 40 Jahre alt. Unsere Strategie zielt darauf ab, den Nachwuchs zu fördern und die Expertise der erfahrenen Mitarbeiter an die nächste Generation zu übertragen. Das Durchschnittsalter der Belegschaft ist in den vergangenen drei Jahren von 52 auf 42 Jahre gesunken, was zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
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Auf der LogiMAT 2025 präsentieren Sie erstmals die Crossover-Serien L25-35XE und S25-35XE als nächsten Schritt der Elektrifizierung. Welche Use-Cases adressieren diese Baureihen konkret im Innen-/Außeneinsatz, und wie verändern sie die TCO-Rechnung gegenüber Verbrennern?
Stefan Budweit: Unsere Crossover-Baureihen sind die idealen Allrounder für den kombinierten Innen- und Außeneinsatz. Sie vereinen die Vorteile umweltfreundlicher Elektrostapler mit der Robustheit und Vielseitigkeit traditioneller Diesel- und Treibgasstapler. Damit definieren sie neue Standards in der Materialhandhabung, insbesondere bei intensiven Wechsel-Einsätzen.
Die Modelle Raider und Renegade basieren auf den bewährten CLARK Chassis für verbrennungsmotorische Gabelstapler. Dies verschafft unseren Crossover-Elektrostaplern entscheidende Vorteile: Sie profitieren nicht nur von der höheren Bodenfreiheit, sondern auch von der entsprechend größeren und robusteren Bereifung sowie einer großzügigeren Beinfreiheit für den Fahrer. Dadurch eignen sich die Fahrzeuge optimal für den Einsatz auf unebenem Gelände oder bei Bodenwellen.
Über die gesteigerte Effizienz hinaus gewährleisten unsere Crossover-Baureihen einen umweltfreundlichen und nachhaltigen Materialfluss. Im Vergleich zu Verbrennungsmotoren bieten sie zudem deutlich niedrigere Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership – TCO), ein zentraler Fokus unserer Entwicklung.
Clark gilt als „Erfinder des Gabelstaplers“, heute aber entscheidet Software über Produktivität. Wie offen sind die neuen E-Serien für Telematik, WMS-Schnittstellen und Echtzeit-Leistungsdaten, und wo ziehen Sie bewusst Grenzen beim Datenaustausch?
Stefan Budweit: Unsere neuen Elektrostapler-Baureihen sind serienmäßig mit Schnittstellen für Telematik-Funktionen vorgerüstet. Dieses Konzept, das wir zuerst bei den Elektrostaplern eingeführt haben, wurde inzwischen auch auf unsere bestehenden Verbrennungsmotor-Modelle übertragen. Parallel dazu entwickeln wir derzeit ein eigenes Clark Telematik-System.
Bei Elektrik zählt Lade- und Energiearchitektur. Welche Roadmap verfolgen Sie für Lithium-Ionen-Varianten (Batteriegrößen, Schnellladung, Energiemanagement), und in welchen Anwendungen sehen Sie weiterhin valide Argumente für Verbrenner?
Stefan Budweit: Clark bietet für seine Lithium-Ionen-Elektrostapler verschiedene Batteriegrößen an, die exakt auf das jeweilige Einsatzprofil des Kunden abgestimmt werden. Bei unserer Produktentwicklung legen wir größten Wert auf marktgerechte, leistungsoptimierte Kapazitäten und Ladegeräte, um maximale Kompatibilität, Effizienz und Flexibilität zu garantieren. Unser Spektrum reicht von preislich attraktiven Einstiegsbatterien bis hin zu leistungsstarken Batterien mit Schnellladeoptionen für den intensiven Mehrschichtbetrieb. In Regionen, in denen eine ausreichende Ladeinfrastruktur noch im Aufbau ist, bleiben unsere bewährten Verbrennungsmotor-Stapler weiterhin eine leistungsstarke Alternative.
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Die Produktlinie deckt von Gegengewichtsstaplern bis Lagertechnik ein breites Feld ab. Wie stellen Sie sicher, dass Bedienergüte, Sicherheit und Ergonomie auch bei Crossover-Konzepten konsistent sind – gerade, wenn dieselben Geräte Indoor/Outdoor-Profile fahren sollen?
Stefan Budweit: Clark bietet im Crossover-Segment zwei leistungsstarke Baureihen mit Tragfähigkeiten von 2,5 bis 3,5 Tonnen an: den Raider (L25-35XE) und den Renegade (S25-35XE). Während die Raider-Serie den kosteneffizienten Einstieg markiert und eine umweltfreundliche Alternative zu Verbrennungsmotoren bietet, richtet sich die Renegade-Serie an Premium-Ansprüche. Basierend auf dem bewährten Chassis der S-Series, vereint der Renegade die markentypischen Merkmale ‚Smart, Strong, Safe‘ mit maximaler Ergonomie und Flexibilität für anspruchsvolle Innen- und Außeneinsätze.
Ersatzteil- und Serviceverfügbarkeit sind Produktivitätsfaktoren. Mit über 170 Händlern in 60 Ländern: Wie orchestrieren Sie SLA-Ziele, Teileverfügbarkeit und Schulungen europaweit, und welche Kennzahlen steuern die Servicequalität?
Stefan Budweit: Von unserer Europazentrale in Duisburg aus steuern wir die Ersatzteilversorgung mit einer Lieferbereitschaft von 95 % bei A-Teilen. Darüber hinaus unterstützen wir unsere Händler durch regelmäßige Produkt- und Serviceschulungen in unserem modernen Schulungszentrum sowie direkt vor Ort in den verschiedenen EMEA-Regionen. Für technischen Support steht unseren Partnern zudem unser zentrales Servicecenter in Duisburg zur Verfügung.



Fotos: Clark Europe




