BU: Die kommende LogiMAT wird zeigen: Bei Security-Konzepten, der automatisierten Identifikation und der Gestaltung autonomer Prozesse in der Intralogistik sind Sensorik und Bilderfassung sowie die (Echtzeit-)Verarbeitung der erfassten Daten maßgebliche Technologien. Foto: Euroexpo
Sensorik in der Intralogistik bildet die technische Grundlage vieler Entwicklungen, die derzeit in Lagerhäusern, Distributionszentren und Produktionslogistik zu beobachten sind. Moderne Logistiksysteme benötigen kontinuierliche Daten über Warenbewegungen, Objekte, Maschinen und ihre Umgebung. Bilderfassungssysteme, Sensoren und die Echtzeitverarbeitung dieser Daten ermöglichen es, solche Informationen automatisiert zu gewinnen und unmittelbar in operative Prozesse einzubinden.
Der technologische Fortschritt in diesem Bereich ist eng mit der zunehmenden Digitalisierung logistischer Abläufe verbunden. Kamerasysteme, optische Sensoren, Radar oder RFID-Technologien liefern Daten, die von Steuerungssystemen und Analyseplattformen verarbeitet werden. Auf diese Weise entstehen digitale Abbilder realer Materialflüsse, die nicht nur für Automatisierungssysteme relevant sind, sondern auch für Planung, Steuerung und langfristige Prozessoptimierung.
Auf der LogiMAT 2026 zeigen internationale Aussteller eine Vielzahl solcher Lösungen. Die Bandbreite reicht von Bildverarbeitungssystemen für automatisierte Identifikation bis hin zu sensorgestützten Sicherheitsfunktionen für Flurförderzeuge. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Informationen aus der physischen Umgebung erfassen und in verwertbare Daten für die Prozesssteuerung überführen.
Michael Ruchty, Messeleiter der LogiMAT beim Veranstalter EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH, beschreibt diese Rolle der Technologien mit einem anschaulichen Vergleich. „Sensoren und Bilderfassung sind die Sinnesorgane der Intralogistik und der industriellen Produktion“, sagt LogiMAT-Messeleiter Michael Ruchty vom Münchener Veranstalter EUROEXPO Messe- und Kongress-GmbH. „Die erfassten Daten steuern Maschinen, Anlagen und fahrerlose Transportprozesse und bilden die Basis für die digitale Transformation.“
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Objektidentifikation und Datenerfassung im Materialfluss
Ein wesentlicher Einsatzbereich moderner Sensorik liegt in der automatisierten Erkennung logistischer Objekte. Kamerasysteme und Sensoren erfassen Form, Größe, Position oder Zustand von Waren und Ladungsträgern. Diese Informationen lassen sich für eine Vielzahl logistischer Aufgaben nutzen.
Dazu gehören beispielsweise die Vermessung von Packstücken, die Lokalisierung von Ladungsträgern im Lager, automatisierte Inventurzählungen oder Zustandsanalysen von Paletten und Transportbehältern. Auch Tracking-Anwendungen im Materialfluss profitieren von dieser Technologie, weil sie Bewegungen von Waren in Echtzeit nachvollziehbar machen.
Das wirtschaftliche Interesse an diesen Technologien wächst. Nach Angaben des Branchenverbands AIM zeigt ein Trendbarometer, dass nahezu jedes vierte AutoID-Unternehmen eine verstärkte Nachfrage nach Sensoriklösungen verzeichnet. Rund 23 Prozent der Unternehmen berichten demnach von steigenden Aktivitäten in diesem Technologiebereich.
Ein wichtiger Entwicklungsschritt besteht darin, Daten unterschiedlicher Sensoren zusammenzuführen. Diese sogenannte Sensorfusion kombiniert Informationen aus verschiedenen Quellen, etwa Kameras, Laserscannern oder Positionssensoren. Dadurch lassen sich Messungen präziser interpretieren und komplexe Umgebungen zuverlässiger erfassen.
Die Bedeutung dieser Technologie beschreibt eine Informationsschrift des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML. Darin heißt es, die Zusammenführung von Sensordaten steigere „Genauigkeit, Flexibilität und Sicherheit – jene Eigenschaften, die von einem innovativen und effizienten Materialfluss gefordert werden“, erläutert eine Informationsschrift des Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML zum Thema.
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Bildverarbeitung und KI als Baustein der Logistikautomatisierung
Die zunehmende Leistungsfähigkeit von Bildverarbeitungssystemen eröffnet neue Möglichkeiten für automatisierte Logistikprozesse. Kameras und KI-Algorithmen können heute komplexe Szenarien analysieren und Objekte zuverlässig erkennen, selbst wenn sich Formate, Verpackungsarten oder Bewegungsabläufe verändern.
Ein Beispiel dafür zeigt das Unternehmen Imago Technologies auf der LogiMAT. Das Unternehmen demonstriert Anwendungen, bei denen Bildverarbeitungssysteme für den Dauerbetrieb in realen Logistikprozessen ausgelegt sind. Die Technologie soll auch bei wechselnden Packstückformaten stabil arbeiten und sich in bestehende Automatisierungsstrukturen integrieren lassen.
Solche Systeme kombinieren klassische industrielle Bildverarbeitung mit KI-gestützten Analyseverfahren. Ziel ist es, nicht nur einzelne Objekte zu identifizieren, sondern auch komplexe Prozesssituationen zu interpretieren. Damit entstehen zusätzliche Möglichkeiten für die Automatisierung logistischer Abläufe.
Auch im Bereich der Palettenkontrolle wird Bildverarbeitung eingesetzt. Die AKL-tec GmbH zeigt auf der Messe ein System zur automatischen Paletteninspektion. Mithilfe von Kameras und KI-gestützter Analyse lassen sich beschädigte oder ungeeignete Paletten erkennen. Insbesondere sogenannte Klasse-C-Paletten können so automatisch identifiziert und aus dem Umlauf entfernt werden.
Die dabei erzeugten Daten sollen direkt in digitale Logistiksysteme integriert werden. Sie bilden eine Grundlage für IT-gestützte Prozesssteuerung und lassen sich mit bestehenden ERP- und Lagerverwaltungssystemen verknüpfen.
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Echtzeit-Vermessung und automatisierte Stammdatenerfassung
Neben der Objekterkennung spielt auch die präzise Vermessung logistischer Einheiten eine wichtige Rolle. Moderne Sensorik ermöglicht es, Maße, Gewicht oder Volumen von Waren automatisiert zu erfassen, ohne dass Mitarbeitende manuell eingreifen müssen.
Das griechische Unternehmen Progressive Robotics zeigt beispielsweise Lösungen für die automatisierte Gemischtpalettierung. Dabei werden Kartons unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher Produkte auf einer Palette kombiniert. Mithilfe von 3D-Vision-Systemen misst das System die eintreffenden Packstücke in Echtzeit und passt die Palettierung entsprechend an.
Die Technologie basiert auf Konzepten der sogenannten physischen KI. Sie verbindet Robotik mit sensorischer Wahrnehmung und adaptiven Steuerungsalgorithmen. Dadurch kann das System auf wechselnde Produktströme reagieren, ohne dass vorab feste Palettiermuster definiert werden müssen.
Auch die Stammdatenerfassung im Lager wird zunehmend automatisiert. Der niederländische Systemintegrator Inther Group präsentiert ein integriertes Mess- und Wiegesystem, das verschiedene Artikeltypen erfassen kann. Das System vermisst regelmäßig und unregelmäßig geformte Objekte, darunter Kartons, Paletten, lose Produkte oder Polybeutel.
Die gewonnenen Daten werden direkt an Lagerverwaltungssysteme übermittelt. Dadurch stehen präzise Informationen über Abmessungen und Gewichte unmittelbar für Planung und Versandprozesse zur Verfügung. Dies erleichtert eine effizientere Nutzung von Lagerflächen und kann auch Verpackungs- und Versandkosten beeinflussen.
Sensortechnik für Flurförderzeuge und autonome Transportfahrzeuge
Ein weiterer Schwerpunkt der Sensorik in der Intralogistik liegt im Bereich der Flurförderzeuge. Kameras, Radar- und Näherungssensoren werden eingesetzt, um das Sichtfeld von Fahrern zu erweitern und automatisierte Transportfahrzeuge sicher zu betreiben.
Die Vetter Industrie GmbH stellt beispielsweise eine Weiterentwicklung ihrer SmartFork®-Technologie vor. Dabei werden Gabelzinken mit Kamera- und Sensortechnik ausgestattet, sodass Fahrer einen Blickbereich direkt vor der Last erhalten. Ergänzt wird dies durch LED-Technik und zusätzliche Kamerasysteme am Stapler, etwa für Rückfahr- oder Mastperspektiven.
Die verschiedenen Kamerabilder werden auf einem Monitor in der Fahrerkabine zusammengeführt. Dadurch können Hindernisse oder Personen frühzeitig erkannt werden. Neben Anwendungen in manuell gesteuerten Fahrzeugen bietet das Unternehmen auch Sensorgabelzinken für fahrerlose Transportfahrzeuge an.
Im Bereich autonomer Fahrzeuge präsentiert Multiway Robotics einen automatisierten Hochhubstapler. Das Gerät nutzt eine KI-basierte 3D-Visionkamera, um Palettenlage, Lastpräsenz und Ausrichtung zu erkennen. Das System kann sich an unterschiedliche Palettentypen oder Regalhöhen anpassen.
Zur Erhöhung der Betriebssicherheit kombiniert der Stapler verschiedene Sensorarten. Ein 360-Grad-Multisensorsystem erfasst die Umgebung und ermöglicht eine umfassende Wahrnehmung des Fahrzeugumfelds.
Auch klassische Flurförderzeuge profitieren von neuen Sensorkonzepten. Die tbm hightech control GmbH zeigt ein radarbasierendes Warnsystem, das den Rückraum von Staplern überwacht. Ein einzelner Radarsensor erkennt Personen oder Hindernisse hinter dem Fahrzeug und kann gleichzeitig als Unterfahrschutz für Emporen eingesetzt werden.
Sicherheitslösungen und langfristige Prozessüberwachung
Neben der Prozessautomatisierung spielt auch die Sicherheit eine zentrale Rolle beim Einsatz von Sensorik. Kameras und Sensoren können gefährliche Situationen frühzeitig erkennen und Maschinen automatisch stoppen oder verlangsamen.
Toyota Material Handling Deutschland zeigt beispielsweise einen serienreifen Fußschutzsensor für Mitgängergeräte. Das System erkennt, wenn sich der Fuß einer Bedienperson zu nah am Fahrzeugrahmen befindet, und bremst das Gerät automatisch ab.
Ein anderer Ansatz besteht in der langfristigen Überwachung logistischer Prozesse. Die microsensys GmbH präsentiert Datenlogger, die verschiedene Umweltparameter erfassen. Dazu gehören Temperatur, Druck, Feuchtigkeit, Schockbelastungen oder Neigungswinkel. Die Daten können in frei definierbaren Intervallen gespeichert und später ausgelesen werden.
Solche Systeme eignen sich beispielsweise für die Überwachung empfindlicher Transportgüter oder für die Analyse logistischer Prozessketten. Durch langfristige Datensammlungen lassen sich Trends erkennen und Abläufe verbessern.
Auch für automatisierte Fahrzeuge werden spezielle Sicherheitskomponenten entwickelt. TWK-Elektronik stellt einen Safety Ring Encoder vor, der mehrere Funktionen in einem Gerät kombiniert. Er ermöglicht die hochdynamische Erfassung von Position und Geschwindigkeit und bietet zugleich sichere Kommunikationsschnittstellen für automatisierte Systeme.
Industrielle Kamerasysteme und Videotechnologie für Logistikareale
Ein weiterer Bereich betrifft industrielle Kamerasysteme, die für den Einsatz in anspruchsvollen Umgebungen konzipiert sind. Lucid Vision Labs präsentiert auf der LogiMAT neue 3D- und HDR-Bildgebungstechnologien. Dazu gehört eine Time-of-Flight-Kameraserie, die für Anwendungen in Robotik und Logistik entwickelt wurde.
Solche Kameras liefern hochpräzise Tiefendaten und eignen sich für Aufgaben wie Pick-and-Place-Prozesse, Sortierung oder Volumenmessung. Sie können auch in automatisierten Palettier- und Depalettieranlagen eingesetzt werden.
Darüber hinaus gewinnt Videotechnologie für die Überwachung logistischer Areale an Bedeutung. Auf dem Gemeinschaftsstand des Clusters Mobility & Logistics zeigen Experten von Dallmeier Systeme für großflächige Logistikstandorte. Eine neue Kameralösung ermöglicht eine durchgängige 180-Grad-Übersicht und unterstützt damit sowohl Sicherheitsfunktionen als auch Prozessanalysen.
Bedeutung für die zukünftige Entwicklung der Intralogistik
Die Vielzahl der auf der LogiMAT gezeigten Technologien verdeutlicht, wie stark Sensorik und Bilderfassung inzwischen in die Entwicklung logistischer Systeme eingebunden sind. Sie liefern nicht nur Daten für automatisierte Anlagen, sondern ermöglichen auch neue Formen der Prozessanalyse und Steuerung.
Für Messeleiter Michael Ruchty ist die Rolle dieser Technologien eindeutig. „Die aktuellen Lösungsentwicklungen in den Bereichen Bilderfassung und Sensorik, das zeigen die genannten Beispiele, fungieren als maßgebliche Enabler für effiziente Intralogistik“, fasst Messeleiter Ruchty zusammen. „Mit nur wenigen intelligent kombinierten Details etwa zur Erweiterung von Scan- und Sichtbereichen erschließen sie der Intralogistik-Gemeinde zusätzliche Optionen für mehr Genauigkeit, Effizienz, Kostensenkung und Sicherheit in den automatisierten Prozessen. Damit zählen Bilderfassung und Sensorik zu den maßgeblichen Instrumenten für zukunftsfähige Intralogistik.“
Damit wird deutlich, dass Sensorik nicht nur eine unterstützende Technologie darstellt. Vielmehr entwickelt sie sich zu einem integralen Bestandteil digitaler Logistiksysteme, in denen Maschinen, Fahrzeuge und IT-Systeme miteinander vernetzt sind. In diesem Zusammenspiel liefern Sensoren die Informationen, die automatisierte Prozesse erst möglich machen.




