BU: Durchgängig nachverfolgbar entlang der Lieferkette: DACHSER trackt die Retail Box mit der Logistikbude. Foto: DACHSER

Ladungsträgermanagement spielt in internationalen Transportnetzwerken eine zentrale Rolle. Paletten, Behälter oder Rollcontainer bilden die physische Grundlage vieler Lieferketten. Sie transportieren Waren durch Lagerhäuser, Umschlagterminals und Distributionszentren und müssen jederzeit verfügbar sein. Gerade bei Mehrwegsystemen hängt die Effizienz logistischer Prozesse stark davon ab, dass diese Ladungsträger zuverlässig verfolgt und gesteuert werden können.

Der international tätige Logistikdienstleister DACHSER setzt deshalb zunehmend auf digitale Lösungen, um den Überblick über seine Ladungsträger zu behalten. Das Unternehmen mit Hauptsitz im bayerischen Kempten betreibt weltweit mehr als 430 Standorte und beschäftigt rund 37.000 Mitarbeitende. Mit seinen Geschäftsbereichen Air & Sea Logistics sowie Road Logistics organisiert DACHSER Transport- und Lagerprozesse für Kunden aus unterschiedlichen Branchen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf branchenspezifischen Logistiklösungen. So richtet sich das Angebot DACHSER Fashion Logistics speziell an Unternehmen aus der Modebranche, deren Lieferketten häufig hohe Anforderungen an Geschwindigkeit, Flexibilität und Produktschutz stellen. Um solche Anforderungen zu erfüllen, spielen standardisierte Transportbehälter eine wichtige Rolle.


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Die Retail Box als Mehrwegsystem für empfindliche Waren

Ein zentraler Baustein dieser Logistikstrategie ist die sogenannte Retail Box. Dabei handelt es sich um einen speziell entwickelten Mehrweg-Rollbehälter, der für den Transport sensibler Produkte konzipiert wurde. Die Behälter werden unter anderem für Modeartikel, Kosmetikprodukte oder Lifestyle-Güter eingesetzt. Auch Elektronikartikel können mit diesem System transportiert werden.

Die Retail Box wurde von DACHSER gemeinsam mit einem Hersteller von Einkaufs- und Paketrollwagen entwickelt. Ziel war es, einen robusten und abschließbaren Ladungsträger zu schaffen, der sowohl Schutz als auch Wiederverwendbarkeit gewährleistet.

Die Behälter sind in zwei Größen erhältlich und orientieren sich am Grundmaß von Europa- und Halbpaletten. Dadurch lassen sie sich in bestehende Logistiksysteme integrieren. Gleichzeitig ersetzt das Mehrwegsystem klassische Einwegverpackungen, die in vielen Transportprozessen bislang üblich waren.

Für diese Entwicklung wurde DACHSER im Jahr 2025 mit dem Deutschen Verpackungspreis des Deutschen Verpackungsinstituts ausgezeichnet. Die Auszeichnung würdigte insbesondere den Beitrag der Retail Box zur Reduzierung von Verpackungsabfällen in der Stückgutlogistik.


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Digitale Transparenz durch IoT-Tracking

Mit der Einführung der Retail Box entstand jedoch eine neue Herausforderung. Mehrweg-Ladungsträger müssen kontinuierlich im Umlauf bleiben, damit sie wirtschaftlich eingesetzt werden können. Gleichzeitig sollen sie jederzeit auffindbar sein, um Verluste oder Verzögerungen zu vermeiden.

DACHSER entschied sich deshalb für eine digitale Lösung zur Nachverfolgung der Behälter. Seit März 2023 arbeitet das Unternehmen mit dem Start-up Logistikbude zusammen, das sich auf die Digitalisierung von Ladungsträgerprozessen spezialisiert hat.

Die Software des Unternehmens ermöglicht eine zentrale Verwaltung von Paletten, Behältern, Gestellen und anderen Transportmitteln. Ziel der Technologie ist es, Ladungsträger weltweit digital sichtbar und steuerbar zu machen.

Uwe Riechel, Department Head bei DACHSER Fashion Logistics, beschreibt den Hintergrund der Entscheidung folgendermaßen: „Nach der Entwicklung der Retail Box haben wir das System der Logistikbude eingeführt, um eine transparente Nachverfolgung unserer neuen, hochwertigen Ladungsträger zu ermöglichen.“ Das Zitat stammt von Uwe Riechel, Department Head bei DACHSER Fashion Logistics.


Ladungsträgermanagement
Die Retail Box ersetzt Einweg-Transportverpackungen durch eine nachhaltige Mehrweglösung, schützt sensible und hochwertige Waren zuverlässig und wurde dafür mit dem Deutschen Verpackungspreis 2025 in Gold in der Kategorie Logistik & Materialfluss ausgezeichnet. Foto: DACHSER

Ein digitales Live-Cockpit für das Ladungsträgermanagement

Die Softwarelösung der Logistikbude basiert auf einem webbasierten Dashboard, das alle relevanten Informationen über die Retail Boxen zusammenführt. Dieses sogenannte Live-Cockpit zeigt an, wo sich die einzelnen Behälter befinden und wie lange sie bereits an einem bestimmten Standort stehen.

Vor der Einführung der Lösung war das Ladungsträgermanagement bei DACHSER fragmentiert organisiert. Informationen über den Standort oder den Status der Behälter lagen in verschiedenen Systemen vor. Das erschwerte den Überblick und führte zu zusätzlichem administrativen Aufwand.

Mit dem digitalen Dashboard können diese Daten nun zentral ausgewertet werden. Uwe Riechel erklärt die Funktionsweise so: „Mit dem webbasierten Dashboard der Anwendung können wir jederzeit nachvollziehen, wo sich unsere Rollcontainer gerade befinden – und auch seit wann“, so der Department Head bei DACHSER Fashion Logistics.

Die Software sammelt die Daten automatisch aus verschiedenen Quellen. Dadurch entfällt die manuelle Zusammenführung von Informationen aus unterschiedlichen Systemen. Für die Mitarbeitenden bedeutet das eine deutliche Vereinfachung der täglichen Arbeit.


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NB-IoT-Tracker liefern Positionsdaten in Echtzeit

Die Grundlage für die digitale Nachverfolgung bilden sogenannte NB-IoT-Tracker. Diese kleinen Geräte sind direkt an den Retail Boxen angebracht und senden regelmäßig Informationen über ihren Standort und Status.

Die Datenübertragung erfolgt über das Mobilfunknetz. Dadurch können die Behälter auch außerhalb von Logistikzentren lokalisiert werden. Neben Positionsdaten werden auch weitere Informationen erfasst, etwa zur Bewegung der Behälter.

Im Live-Cockpit werden diese Daten mit zusätzlichen Informationen kombiniert. Dazu gehören unter anderem Scan-Daten, die von DACHSER-Fahrern über mobile Datenerfassungsgeräte erfasst werden. Beide Datenquellen zusammen ermöglichen eine präzise Steuerung der Ladungsträgerbewegungen.

Das System erlaubt es außerdem, die Daten ortsunabhängig abzurufen. Mitarbeitende können jederzeit auf die Informationen zugreifen, unabhängig davon, an welchem Standort sie arbeiten.


Ladungsträgermanagement
Uwe Riechel, Department Head bei DACHSER Fashion Logistics: “Es lag nahe, bei diesem Projekt auf die Expertise der Logistikbude zu setzen.” Foto: DACHSER

Effizientere Prozesse und geringerer Verwaltungsaufwand

Durch die Digitalisierung des Ladungsträgermanagements verändern sich auch die administrativen Abläufe. Bestandsabgleiche oder Tauschprozesse lassen sich einfacher dokumentieren und auswerten.

Kunden profitieren ebenfalls von der erhöhten Transparenz. Sie erhalten detaillierte Kontoauszüge über den Austausch von Ladungsträgern und können nachvollziehen, wie sich die Behälterströme innerhalb der Lieferkette entwickeln.

Für DACHSER bedeutet die Einführung der Lösung vor allem eine Entlastung der Mitarbeitenden im operativen Geschäft. Uwe Riechel fasst die Auswirkungen so zusammen: „Die effiziente Ladungsträgerverwaltung war für uns ein entscheidender Schritt, um unsere logistischen Prozesse reibungslos zu gestalten und unsere Mitarbeitenden im Alltag zu entlasten“, sagt er.

Zusammenarbeit zwischen Logistikunternehmen und Start-up

Ein weiterer Aspekt des Projekts ist die Kooperation zwischen einem etablierten Logistikunternehmen und einem jungen Technologieanbieter. DACHSER und die Logistikbude kannten sich bereits aus gemeinsamer Forschungsarbeit, unter anderem im Umfeld des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik.

Die Umsetzung des Projekts verlief vergleichsweise schnell. Nach einer kurzen Testphase konnte das System innerhalb weniger Monate implementiert werden. Die vorhandene Basisversion der Software deckte bereits einen Großteil der Anforderungen ab.

Auch aus Sicht der Logistikbude war die Zusammenarbeit ein wichtiger Schritt. Michael Koscharnyj, Co-Founder und COO des Unternehmens, beschreibt die Kooperation so: „Beide Seiten haben eng zusammengearbeitet, brachten ihr Know-how ein und konnten darüber hinaus wertvolle Erkenntnisse für die Zukunft mitnehmen – ein echter Gewinn für uns alle.“

Das Projekt zeigt, wie digitale Technologien zunehmend in klassische Logistikprozesse integriert werden. Ladungsträger werden damit zu intelligenten Elementen der Lieferkette, deren Bewegungen nicht nur physisch, sondern auch digital nachvollziehbar sind.