BU: Der stationäre Einzelhandel in der DACH-Region steht vor der Herausforderung, steigende Kundenerwartungen mit komplexen Lieferketten und Personalmangel in Einklang zu bringen. Foto: Cosys Ident GmbH
Retail Prozessoptimierung 2026 steht exemplarisch für den strukturellen Wandel, den der stationäre Einzelhandel in der DACH-Region derzeit durchläuft. Filialbetriebe sehen sich mit steigenden Kundenerwartungen, wachsenden Omnichannel-Anforderungen und gleichzeitig zunehmendem Personalmangel konfrontiert. Hinzu kommen komplexe Lieferketten, volatile Nachfragestrukturen und ein hoher Kostendruck. Vor diesem Hintergrund gewinnt die systematische Digitalisierung operativer Abläufe an Bedeutung, nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung für stabile Prozesse und belastbare Entscheidungsgrundlagen.
In vielen Handelsunternehmen sind zentrale Abläufe noch immer durch Medienbrüche geprägt. Manuelle Erfassungen, isolierte IT-Systeme und verzögerte Datenflüsse führen dazu, dass Bestände nicht mit der tatsächlichen Warenverfügbarkeit übereinstimmen. Die Folgen reichen von Out-of-Stock-Situationen über Überbestände bis hin zu unnötig gebundenem Kapital. Retail Prozessoptimierung adressiert genau diese Schwachstellen, indem sie Prozesse, Systeme und physische Warenbewegungen konsequent miteinander verknüpft.
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Effizienz unter Druck: Personalmangel und steigende Komplexität
Der Personalmangel im stationären Handel verschärft die Notwendigkeit effizienter Prozesse. Aufgaben wie Wareneingang, Umlagerung, Nachschub oder Inventur müssen mit weniger Personal in kürzerer Zeit bewältigt werden. Gleichzeitig erwarten Kundinnen und Kunden eine hohe Warenverfügbarkeit, transparente Informationen und flexible Services wie Click & Collect oder filialübergreifende Reservierungen.
Manuelle Abläufe stoßen in diesem Umfeld schnell an ihre Grenzen. Fehleranfällige Papierlisten, zeitverzögerte Buchungen oder fehlende Transparenz über Bestände erschweren eine verlässliche Steuerung. Retail Prozessoptimierung setzt hier an, indem sie operative Tätigkeiten digital unterstützt und Daten dort erfasst, wo sie entstehen, direkt in der Filiale oder im Lager.
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Ganzheitliche Softwarearchitekturen als operativer Standard
Vor diesem Hintergrund gewinnen ganzheitliche Retail-Management-Plattformen an Bedeutung, die Software, mobile Anwendungen und Hardware in einem konsistenten Ecosystem zusammenführen. Dazu bietet beispielsweise COSYS ein modulares Ecosystem, das Hardware, mobile Applikationen und ein zentrales Management-Tool, den COSYS WebDesk, vereint. Ziel dieser Systeme ist eine durchgängige Digitalisierung der Wertschöpfungskette im Einzelhandel, von der Warenannahme über die Bestandsführung bis hin zur Abwicklung von Omnichannel-Prozessen.
Modulare Softwarearchitekturen ermöglichen es, zentrale Funktionen schrittweise zu implementieren und an die individuellen Anforderungen eines Unternehmens anzupassen. Mobile Datenerfassung bildet dabei die operative Basis. Mitarbeiter erfassen Warenbewegungen direkt am Point of Sale oder im Lager mithilfe spezialisierter MDE-Geräte. Die erfassten Daten stehen nahezu in Echtzeit in zentralen Management-Systemen zur Verfügung und bilden die Grundlage für weitere Prozesse.
Mobile Datenerfassung als Schnittstelle zwischen Fläche und System
Die Rolle der mobilen Datenerfassung geht im Retail 2026 weit über klassische Inventuraufgaben hinaus. Moderne MDE-Lösungen unterstützen eine Vielzahl operativer Prozesse, die bislang zeitaufwendig oder fehleranfällig waren. Digitale Zählvorgänge ersetzen manuelle Listen und ermöglichen eine deutlich höhere Bestandsgenauigkeit. Gleichzeitig erlaubt die hybride Online- und Offline-Funktionalität eine stabile Datenerfassung auch in Filialen mit eingeschränkter Netzabdeckung.
Darüber hinaus bildet die mobile Datenerfassung das Rückgrat für Omnichannel-Services. Aufträge aus dem Online-Kanal lassen sich direkt in der Filiale bearbeiten. Laufwegoptimierte Pick-and-Pack-Prozesse unterstützen Mitarbeitende dabei, Bestellungen effizient zusammenzustellen und zur Abholung oder Übergabe bereitzustellen. Die Filiale wird damit zunehmend zum integralen Bestandteil der gesamten Lieferkette.
Qualitätssicherung und Transparenz im operativen Alltag
Ein weiterer Aspekt der Retail Prozessoptimierung liegt in der Qualitätssicherung. Schäden, Retouren oder Abweichungen lassen sich direkt im Prozess dokumentieren. Die Kombination aus Scanvorgang und Fotodokumentation ermöglicht eine nachvollziehbare Erfassung von Zuständen und verknüpft diese unmittelbar mit dem jeweiligen Geschäftsvorgang. Die Daten stehen zentral zur Verfügung und können für Auswertungen, Reklamationsprozesse oder interne Abstimmungen genutzt werden.
Diese Transparenz reduziert Rückfragen, beschleunigt Entscheidungsprozesse und schafft eine belastbare Datengrundlage für die kontinuierliche Verbesserung operativer Abläufe. Gleichzeitig wird die Abhängigkeit von individuellen Erfahrungswerten einzelner Mitarbeitender verringert.
Integration als Schlüssel zur Skalierbarkeit
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg digitaler Retail-Lösungen ist ihre Integrationsfähigkeit. Retail Prozessoptimierung entfaltet ihre Wirkung nur dann vollständig, wenn mobile Anwendungen, zentrale Management-Tools und bestehende ERP-Systeme nahtlos zusammenarbeiten. Middleware-Konzepte übernehmen hier eine zentrale Rolle, indem sie als Brücke zwischen physischer Warenbewegung und kaufmännischen Systemen fungieren.
Der bidirektionale Datenaustausch sorgt dafür, dass Bestände über alle Standorte hinweg konsistent sichtbar sind. Änderungen, die in der Filiale erfasst werden, stehen dem zentralen System unmittelbar zur Verfügung und umgekehrt. Diese Transparenz ist Voraussetzung für eine verlässliche Disposition, eine präzise Nachschubsteuerung und eine realistische Planung von Warenflüssen.
Modulare Architekturen erlauben es zudem, mit einzelnen Funktionsbereichen zu starten und das System schrittweise auszubauen. Unternehmen können zunächst Kernprozesse digitalisieren und das Ecosystem später um weitere Module erweitern, ohne bestehende Strukturen grundlegend verändern zu müssen.
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Betriebswirtschaftliche Effekte integrierter Retail-Lösungen
Die Auswirkungen integrierter Software- und Hardwarelösungen lassen sich auch betriebswirtschaftlich messen. Beschleunigte Prozesse im Wareneingang und in der Kommissionierung erhöhen die Produktivität auf der Fläche. Validierte Bestandsdaten tragen dazu bei, Überbestände zu vermeiden und gleichzeitig die Verfügbarkeit zu erhöhen. Out-of-Stock-Situationen lassen sich reduzieren, ohne die Kapitalbindung unnötig zu steigern.
Ein weiterer Aspekt ist der Investitionsschutz. Flexible Beschaffungs- und Servicemodelle für Hardware ermöglichen es, Investitionen planbarer zu gestalten. Insbesondere bei saisonalen Bedarfsspitzen können Miet- oder Servicekonzepte dazu beitragen, Kostenstrukturen an den tatsächlichen Bedarf anzupassen und langfristige Kapitalbindung zu vermeiden.
Retail Prozessoptimierung 2026 als Voraussetzung für operative Stabilität
Retail Prozessoptimierung im Jahr 2026 bedeutet mehr als den Einsatz einzelner Software-Tools. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus leistungsfähiger Hardware, intuitiven mobilen Anwendungen und einer zentralen Analyse- und Steuerungsinstanz. Nur wenn alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind, lassen sich Komplexität reduzieren und Prozesse stabil betreiben.
End-to-End-Digitalisierung schafft die Voraussetzung für eine durchgängige Sicht auf Warenbewegungen, Bestände und operative Kennzahlen. Sie ermöglicht es Handelsunternehmen, schneller auf Veränderungen zu reagieren und fundierte Entscheidungen auf Basis aktueller Daten zu treffen. In einem Umfeld zunehmender Unsicherheit und steigender Anforderungen wird diese Fähigkeit zu einem wesentlichen Faktor für die Zukunftsfähigkeit stationärer Retail-Konzepte.




