BU: Als Generalunternehmer realisierte Körber für Daimler Truck das technologische Herzstück des Global Parts Centers Halberstadt, der neuen Drehscheibe für die weltweite Ersatzteilversorgung. Foto: Körber Supply Chain
Ersatzteillogistik ist ein zentraler Bestandteil der internationalen Nutzfahrzeugindustrie. Wenn Fahrzeuge weltweit im Einsatz sind, entscheidet die Verfügbarkeit von Ersatzteilen über Wartungszyklen, Ausfallzeiten und letztlich über die Wirtschaftlichkeit ganzer Flotten. Vor diesem Hintergrund hat Daimler Truck im sachsen-anhaltischen Halberstadt ein Global Parts Center aufgebaut, das künftig als zentrale Drehscheibe für die weltweite Ersatzteilversorgung fungiert.
Das Zentrum verbindet moderne Lagertechnik, automatisierte Materialflüsse und eine integrierte IT-Steuerung zu einer Logistikinfrastruktur, die auf hohe Durchsatzleistungen und flexible Erweiterbarkeit ausgelegt ist. Realisiert wurde das Projekt durch den Systemintegrator Körber, der als Generalunternehmer für Planung, Integration und Umsetzung verantwortlich war.
Bemerkenswert ist dabei die Geschwindigkeit der Realisierung. Die Anlage wurde innerhalb von weniger als anderthalb Jahren in Betrieb genommen. Ein Grund dafür liegt in der integrativen Projektstrategie, bei der unterschiedliche Technologien und Gewerke frühzeitig zusammengeführt wurden.
Achim Aberle, Geschäftsführer der Körber Supply Chain Automation GmbH, beschreibt diesen Ansatz so: „Im Automotive-Bereich ist es gang und gäbe, hochspezialisierte Zulieferer und Gewerke so zu orchestrieren, dass am Ende ein optimales Produkt steht“, so Achim Aberle, Geschäftsführer der Körber Supply Chain Automation GmbH, „dieses Prinzip haben wir versucht, als Generalunternehmer auf die Automatisierung und die angrenzenden, bauseitigen Leistungen zu übertragen. Dabei half auch das große Vertrauen unseres Auftraggebers. In der Realisierungsphase hatten wir ab der Bodenplatte praktisch freie Hand.“ Das Zitat stammt von Achim Aberle, Geschäftsführer der Körber Supply Chain Automation GmbH.
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Hochautomatisierte Lagerstruktur für globale Ersatzteillogistik
Im Zentrum des Global Parts Centers steht eine Lagerarchitektur, die auf zwei zentrale Bausteine setzt. Einerseits gibt es ein automatisches Hochregallager für größere Ersatzteile, andererseits ein hochverdichtetes Kleinteilelager für kleinere Komponenten.
Das Hochregallager wurde in Silobauweise errichtet und bietet mehr als 70.000 Stellplätze für mittelgroße und sperrige Ersatzteile. Die Ein- und Auslagerung erfolgt vollautomatisch. In der Vorzone sorgen 49 sogenannte Rail Guided Vehicles für den Transport der Ladungsträger. Innerhalb der Regalgassen übernehmen 21 Regalbediengeräte die vertikale und horizontale Bewegung der Ware.
Diese Architektur ermöglicht eine kontinuierliche Versorgung der nachgelagerten Prozesse. Gleichzeitig wird die Lagerfläche effizient genutzt, da die Silobauweise eine hohe Lagerdichte erlaubt.
Für kleinere Ersatzteile wurde ein separates Kleinteilelager aufgebaut. Hier setzt das Projekt auf eine AutoStore-Anlage des Integrators Element Logic, die durch Körber in das Gesamtsystem integriert wurde. In der aktuellen Ausbaustufe arbeiten 56 Roboter innerhalb des Systems. Sie greifen auf ein Raster aus Behälterstellplätzen zu, das nahezu 160.000 Lagerplätze umfasst.
Die Anlage ist so konzipiert, dass sie bei Bedarf auf etwa die doppelte Kapazität erweitert werden kann. Damit lässt sich das Lager an zukünftige Anforderungen anpassen, etwa wenn das Teileportfolio wächst oder zusätzliche Märkte erschlossen werden.
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AutoStore-System als flexible Plattform für Kleinteile
AutoStore-Systeme gelten in der Intralogistik als kompakte Lösung für hochverdichtete Kleinteilelager. In Halberstadt übernimmt das System die Lagerung und Bereitstellung zahlreicher Ersatzteilkomponenten, die häufig in kleinen Stückzahlen benötigt werden.
Die Roboter bewegen sich auf einer Gitterstruktur über dem Behälterlager und greifen gezielt auf einzelne Lagerplätze zu. Dadurch lassen sich viele Artikel auf vergleichsweise kleiner Fläche lagern. Gleichzeitig können mehrere Roboter parallel arbeiten, wodurch der Materialfluss dynamisch gesteuert wird.
Ein Vorteil dieser Technologie ist die relativ kurze Implementierungszeit. Im Fall des Global Parts Centers konnte das System innerhalb von rund sechs Monaten aufgebaut werden. Dadurch standen Teile der Lagerkapazität bereits deutlich früher zur Verfügung, als ursprünglich vorgesehen war.
Die frühe Inbetriebnahme einzelner Systemkomponenten spielte eine wichtige Rolle für den Projektverlauf. Sie ermöglichte es, erste logistische Prozesse bereits zu testen und zu optimieren, während andere Bereiche der Anlage noch aufgebaut wurden.
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Fahrerlose Transportfahrzeuge für den innerbetrieblichen Materialfluss
Damit die gelagerten Ersatzteile effizient zu den Kommissionier- und Verpackungsbereichen gelangen, setzt das Distributionszentrum auf automatisierte Transportrobotik. Körber integrierte dafür eine Flotte fahrerloser Transportfahrzeuge seines Partners Carrybots.
Diese automatisierten Fahrzeuge verbinden das AutoStore-Kleinteilelager mit den manuellen Packstationen. Insgesamt 30 AGVs sind im aktuellen Ausbauzustand im Einsatz. Sie übernehmen den Transport der Behälter zwischen verschiedenen Funktionsbereichen des Lagers.
Der Durchsatz liegt derzeit bei etwa 300 Boxen pro Stunde. Das System wurde jedoch so konzipiert, dass sich die Kapazität bei Bedarf erweitern lässt. Zusätzliche Fahrzeuge können relativ einfach in die Flotte integriert werden.
Die Nutzung fahrerloser Transportfahrzeuge hat mehrere Vorteile. Einerseits können Transportprozesse automatisiert werden, andererseits bleibt das System flexibel. Wenn sich die Anforderungen im Lager ändern, lassen sich Routen und Einsatzbereiche der Fahrzeuge anpassen.
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Digitale Steuerung des Materialflusses
Eine zentrale Rolle in der Gesamtanlage spielt die IT-Steuerung des Materialflusses. Körber realisierte diese über SAP EWM MFS, eine Erweiterung des Warehouse Management Systems SAP Extended Warehouse Management.
Dieses System übernimmt die Koordination zwischen den verschiedenen automatisierten Komponenten der Anlage. Dazu gehören das Hochregallager, das AutoStore-System und die fahrerlosen Transportfahrzeuge. Gleichzeitig wird der Informationsfluss zu den übergeordneten IT-Systemen des Unternehmens sichergestellt.
Die Integration solcher Systeme ist eine zentrale Aufgabe bei großen Automatisierungsprojekten. Unterschiedliche Technologien müssen miteinander kommunizieren und ihre Abläufe synchronisieren. Nur so kann der Materialfluss stabil und effizient funktionieren.
Neben der IT-Integration übernahm Körber im Projekt auch zahlreiche weitere Aufgaben. Dazu gehörten die gesamte Elektrifizierung des Hochregallagers sowie die technische Gebäudeausrüstung. Auch die Silo-Regalanlage mit Dach- und Wandverkleidung wurde im Rahmen des Projekts umgesetzt.
Systemintegration als Schlüssel zum Projektverlauf
Das Global Parts Center Halberstadt zeigt beispielhaft, welche Rolle Systemintegratoren in großen Logistikprojekten spielen. Sie verbinden Technologien unterschiedlicher Hersteller zu einem funktionierenden Gesamtsystem.
Im konkreten Fall bedeutete dies, Lagertechnik, Robotik, Transporttechnik und IT-Systeme miteinander zu verknüpfen. Gleichzeitig mussten bauliche Maßnahmen, elektrische Infrastruktur und logistische Prozesse aufeinander abgestimmt werden.
Die Herausforderung bestand darin, ein System zu entwickeln, das sowohl leistungsfähig als auch flexibel ist. Ersatzteillogistik ist geprägt von einer großen Artikelvielfalt, schwankenden Nachfrageprofilen und komplexen internationalen Lieferketten.
Das Distributionszentrum in Halberstadt wurde daher so konzipiert, dass es zukünftige Entwicklungen berücksichtigen kann. Die modulare Struktur der Anlage ermöglicht Erweiterungen und Anpassungen, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen.
Damit wird das Global Parts Center zu einem zentralen Element der Ersatzteilversorgung von Daimler Truck. Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie Automatisierungstechnologien dazu beitragen können, komplexe Logistikprozesse zu strukturieren und langfristig stabil zu betreiben.




