BU: Die Verpackungssysteme X5 und X6 von Packsize verfolgen das Prinzip, Kartons direkt auftragsbezogen am Packplatz zu produzieren. Foto: Packsize
Intelligente Verpackung: Wer heute ein modernes Logistikzentrum betritt, erlebt meist eine Welt hochgradig automatisierter Prozesse. Förderanlagen transportieren Waren durch kilometerlange Netzwerke, Shuttle-Systeme bewegen Behälter in Hochgeschwindigkeit durch Lagergassen, Software steuert Materialströme in Echtzeit. Doch ausgerechnet an einer Stelle endet die Automatisierung vielerorts noch immer überraschend abrupt: Am Packplatz.
Dort, wo Produkte versandfertig gemacht werden, dominieren häufig noch manuelle Entscheidungen. Mitarbeitende wählen Kartons aus, fügen Füllmaterial hinzu und passen Verpackungen an die jeweilige Sendung an. Was auf den ersten Blick unspektakulär wirkt, kann erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit des gesamten Systems haben. Denn jeder zusätzliche Handgriff, jede Wartezeit und jede Fehlentscheidung beeinflusst den Materialfluss.
Genau hier setzt ein Wandel an, der derzeit viele Intralogistikprojekte prägt. Verpackung wird zunehmend nicht mehr als letzter Arbeitsschritt betrachtet, sondern als integraler Bestandteil eines durchgängigen Prozesses. Sie entwickelt sich vom passiven Behältnis zu einem aktiven Element moderner Materialflusssysteme.
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Vom Karton zur Prozesskomponente
Die klassische Sichtweise auf Verpackung war lange einfach: Waren wurden kommissioniert, transportiert und schließlich in einen möglichst passenden Karton gelegt. Verpackung war damit das Ende einer Wertschöpfungskette.
Heute verschiebt sich diese Perspektive. Steigende Anforderungen an Effizienz, Automatisierung und Nachhaltigkeit führen dazu, dass Verpackung deutlich früher in den Planungsprozess eingebunden wird. Unternehmen betrachten nicht mehr nur die eigentliche Verpackungsmaschine, sondern den gesamten Ablauf vom Auftragseingang bis zum Versand.
Nach Angaben von Philipp Venjakob, Vice President European Sales bei Packsize, versteht sich das Unternehmen deshalb nicht als klassischer Maschinenlieferant. Vielmehr gehe es darum, intelligente Gesamtprozesse zu entwickeln, in denen Hard- und Software eng miteinander verzahnt seien. Im Mittelpunkt stehe nicht die einzelne Maschine, sondern das Zusammenspiel aller Prozessschritte.
Damit verändert sich auch die Rolle der Verpackung. Sie wird zu einem vernetzten Bestandteil des Materialflusses und beeinflusst zunehmend die Leistungsfähigkeit des gesamten Systems.
Intelligente Verpackung beginnt lange vor dem Packplatz
Besonders deutlich wird dieser Wandel bei der Nutzung von Daten. Während früher häufig Erfahrungswerte oder standardisierte Verpackungsgrößen den Ausschlag gaben, entstehen Entscheidungen heute vielfach bereits auf Basis digitaler Informationen.
Venjakob verweist darauf, dass intelligente Verpackungsprozesse auf Softwarelösungen beruhen, die Verpackungsmittel bereits im Vorfeld bestimmen können. Ausgehend von Artikelstammdaten lasse sich berechnen, welche Kartongröße für einen konkreten Auftrag optimal geeignet sei.
Damit verschiebt sich der Zeitpunkt der Entscheidung deutlich nach vorne. Der Karton entsteht nicht mehr als spontane Wahl am Packplatz, sondern als Ergebnis einer datenbasierten Analyse. Das Verpackungsmittel wird exakt auf den jeweiligen Auftrag zugeschnitten.
Die Folgen reichen weit über die eigentliche Verpackung hinaus. Überdimensionierte Kartons werden vermieden, Füllmaterial lässt sich reduzieren und Prozessschritte entfallen. Gleichzeitig steigt die Planbarkeit der Abläufe. Verpackung wird damit Teil einer digitalen Prozesskette, die vom ersten Datensatz bis zum Versand reicht.

Der Materialfluss wird geradliniger
Ein zentrales Ziel moderner Intralogistik besteht darin, unnötige Bewegungen und Umwege zu vermeiden. Jeder zusätzliche Transport, jede manuelle Korrektur und jeder Medienbruch verursachen Aufwand und Kosten.
Venjakob beschreibt intelligente Prozesse daher als möglichst geradlinige Abläufe. Ziel sei es, Materialflüsse so zu organisieren, dass zusätzliche Handling-Schritte weitgehend vermieden werden.
Diese Denkweise entspricht einem grundlegenden Trend der Branche. Während Optimierungsmaßnahmen früher häufig einzelne Stationen betrachteten, rückt heute die Gesamtleistung des Systems in den Fokus. Entscheidend ist nicht mehr, wie effizient eine einzelne Maschine arbeitet, sondern wie reibungslos alle Prozesse ineinandergreifen.
Gerade Verpackung besitzt dabei einen größeren Einfluss, als viele Unternehmen lange angenommen haben. Sie entscheidet über Transportvolumen, Durchsatzleistung, Materialverbrauch und letztlich auch über die Stabilität der gesamten Prozesskette.
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Wirtschaftlichkeit entsteht im Zusammenspiel
Diese veränderte Sichtweise wirkt sich auch auf Investitionsentscheidungen aus. Die Frage, ob sich eine Technologie lohnt, wird heute deutlich umfassender beantwortet als noch vor wenigen Jahren.
Nach Darstellung von Venjakob beschränkt sich die Betrachtung nicht auf den Anschaffungspreis einer Maschine. Stattdessen würden zahlreiche Faktoren gemeinsam bewertet. Dazu zählen unter anderem Materialverbrauch, Versandkosten, Transportvolumen, Füllmaterialbedarf und Prozessgeschwindigkeit.
Gerade bei Verpackungssystemen entstehen viele Vorteile erst durch ihr Zusammenspiel mit anderen Bereichen der Intralogistik. Ein kleinerer Karton benötigt weniger Material, reduziert das Versandvolumen und verbessert die Auslastung von Transportmitteln. Gleichzeitig sinkt der Bedarf an zusätzlichem Füllmaterial. Die Summe dieser Effekte kann erhebliche wirtschaftliche Vorteile erzeugen.
Die Optimierung einzelner Prozessschritte tritt damit zunehmend in den Hintergrund. Stattdessen rückt die Leistungsfähigkeit des gesamten Materialflusses in den Mittelpunkt.
X5 und X6 als Beispiel für den Wandel
Wie sich diese Entwicklung konkret in der Praxis niederschlägt, zeigen die Verpackungssysteme X5 und X6 von Packsize. Beide Anlagen verfolgen das Prinzip, Kartons direkt auftragsbezogen am Packplatz zu produzieren.
Nach Angaben von Venjakob basiert die neue X6 auf der bewährten X5-Plattform. Es handele sich nicht um eine vollständig neue Entwicklung, sondern um eine gezielte Weiterentwicklung bestehender Technologien.
Der Fokus lag dabei auf einer höheren Flexibilität. So könne die X6 nicht nur besonders kleine Kartons herstellen, sondern auch längere Verpackungsformate automatisiert produzieren.
Besondere Bedeutung besitzt darüber hinaus die Fähigkeit, sogenannte Trays zu fertigen. Diese offenen Verpackungen ohne klassische Decklaschen gewinnen insbesondere in automatisierten Lagerumgebungen an Bedeutung. In Shuttle-Systemen und automatisierten Kommissionierprozessen ermöglichen sie ein einfacheres Handling und tragen zu stabileren Abläufen bei.
Damit wird deutlich, wie eng Verpackungstechnik inzwischen mit Lagerautomatisierung und Materialflussplanung verknüpft ist. Verpackungsformate werden nicht mehr ausschließlich unter Versandgesichtspunkten entwickelt, sondern als Bestandteil eines komplexen Gesamtsystems.

Wenn Spitzenlasten zum Alltag werden
Besonders sichtbar werden diese Anforderungen im E-Commerce. Dort schwanken Auftragsvolumina oft erheblich. Während normale Betriebstage eine bestimmte Leistung erfordern, können Aktionen wie Black Friday oder das Weihnachtsgeschäft die Mengen innerhalb kurzer Zeit vervielfachen.
Venjakob verweist darauf, dass viele Kunden die maximale Leistung ihrer Systeme nur während solcher Spitzenzeiten benötigen. Gleichzeitig müsse die Lösung auch im regulären Betrieb wirtschaftlich bleiben.
Gefragt sind daher skalierbare Systeme, die sich flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen können. Verpackungsanlagen müssen heute nicht nur hohe Durchsatzleistungen erreichen, sondern zugleich auf wechselnde Rahmenbedingungen reagieren können. Diese Fähigkeit wird zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Nachhaltigkeit rückt in den Mittelpunkt
Neben Wirtschaftlichkeit und Effizienz gewinnt ein weiteres Thema stetig an Bedeutung: Nachhaltigkeit.
Kaum ein Bereich der Logistik steht dabei so stark im Fokus wie die Verpackung. Schließlich beeinflusst sie unmittelbar den Materialverbrauch und das Transportvolumen.
Venjakob verweist darauf, dass maßgeschneiderte Kartons den Bedarf an Wellpappe deutlich reduzieren können. Im Vergleich zu Standardkartons seien Einsparungen von bis zu 30 Prozent möglich.
Die Auswirkungen reichen jedoch weiter. Weniger Luft im Paket bedeutet gleichzeitig weniger Transportvolumen. Dadurch können mehr Sendungen pro Transport bewegt werden, was wiederum den Energiebedarf und die entstehenden Emissionen reduziert.
Verstärkt wird diese Entwicklung durch regulatorische Vorgaben. Die europäische Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) setzt neue Maßstäbe für die Gestaltung von Verpackungen und den Umgang mit Leerraum in Versandpaketen. Nach Einschätzung von Venjakob spielt diese Entwicklung für die Branche eine zentrale Rolle.
Gleichzeitig steigt der Einsatz recycelter Papierfasern. Verpackung entwickelt sich damit zunehmend zu einem Baustein der Kreislaufwirtschaft und wird Teil nachhaltiger Logistikstrategien.
Warum intelligente Verpackung zum strategischen Erfolgsfaktor wird
Lange galt Verpackung in vielen Unternehmen als nachgelagerte Funktion. Heute zeigt sich zunehmend, dass diese Sichtweise zu kurz greift.
Venjakob weist darauf hin, dass Zeitverluste im Verpackungsbereich die Effizienzgewinne vorgelagerter Automatisierungsmaßnahmen wieder zunichtemachen können. Wird am Ende des Prozesses Geschwindigkeit verloren, profitiert das Gesamtsystem nur eingeschränkt von vorherigen Optimierungen.
Genau deshalb rückt Verpackung stärker in den Fokus strategischer Planungen. Sie beeinflusst Materialfluss, Kostenstruktur, Nachhaltigkeit und Prozessstabilität gleichermaßen. Die Entwicklung lässt sich auf eine einfache Erkenntnis reduzieren: Verpackung ist längst mehr als eine Hülle für den Versand. Sie wird zu einer aktiven Komponente moderner Intralogistiksysteme.
Je stärker Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren und automatisieren, desto wichtiger wird die Fähigkeit, Verpackung, Materialfluss und IT als zusammenhängendes System zu betrachten. Die Zukunft gehört vernetzten Lösungen, in denen Kartons nicht nur Waren transportieren, sondern gewissermaßen Teil der Intelligenz des gesamten Logistikprozesses werden.


