BU: Mit einer neuen Tochtergesellschaft in Saarbrücken bringt die französische CONEX-Gruppe ihre KI-Agenten für die Zollabwicklung auf den deutschen Markt. Die Software soll Dokumente automatisiert auswerten, Zolltarifierungen unterstützen und bestehende ATLAS-basierte Prozesse ergänzen, ohne dass Unternehmen ihre vorhandenen Systeme grundlegend verändern müssen.
KI in der Zollabwicklung soll Unternehmen künftig dabei unterstützen, komplexe Zollformalitäten mit geringerem Aufwand zu bewältigen. Der europäische Softwareanbieter CONEX erweitert dazu seine Aktivitäten nach Deutschland und hat mit der CONEX GmbH eine eigene Tochtergesellschaft in Saarbrücken gegründet. Im Mittelpunkt stehen KI-Agenten und digitale Plattformen, die sich in bestehende IT-Umgebungen integrieren lassen und die Verarbeitung zollrelevanter Daten vereinfachen sollen.
Mit dem Markteintritt reagiert das Unternehmen auf die zunehmenden Anforderungen an die Zollabwicklung. In Deutschland arbeiten Zollabteilungen in einer Systemlandschaft, die wesentlich durch das elektronische Zollabwicklungssystem ATLAS geprägt ist. Die wiederholten Anpassungen im Zuge der Umsetzung des Unionszollkodexes (UZK) stellen Unternehmen und ihre Zollabteilungen weiterhin vor organisatorische und operative Herausforderungen. CONEX will hier ansetzen, ohne dass Unternehmen ihre vorhandenen Deklarationssysteme oder eingespielten Arbeitsabläufe grundlegend verändern müssen. Stattdessen sollen zusätzliche Softwarefunktionen die bestehenden Prozesse ergänzen und deren Automatisierung vorantreiben.
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Zollprozesse zwischen Compliance und Produktivität
Die CONEX-Gruppe ist seit mehr als 40 Jahren im Bereich der Zollsoftware tätig. Das Unternehmen beschäftigt rund 120 Mitarbeitende und deckt mit seinen Lösungen die fachlichen und regulatorischen Anforderungen in zehn europäischen Ländern ab. Nach eigenen Angaben nutzen europaweit mehr als 10.000 Zollanmelder die angebotenen Systeme.
Zu den Kunden zählen Hersteller, Importeure, Exporteure, Frachtführer, Logistikdienstleister und Zollvertreter. Besonders stark ist CONEX auf dem französischen Markt vertreten. Dort werden nach Unternehmensangaben rund zwei Drittel aller Import- und Exportanmeldungen über Softwarelösungen der Gruppe verarbeitet. Diese Erfahrungen will CONEX nun auf den deutschen Markt übertragen. Dabei sieht das Unternehmen insbesondere in der Verbindung von künstlicher Intelligenz, automatisierter Datenverarbeitung und regulatorischer Fachkompetenz Entwicklungsmöglichkeiten.
„Deutschland steht im Zentrum des europäischen Handels, und die von der EU angestoßene Zollreform wird die Art und Weise, wie Unternehmen ihre Daten verwalten, grundlegend verändern. Wir sind überzeugt, dass Zollteams künftig nicht mehr zwischen Compliance und Produktivität wählen müssen. Unsere KI-Agenten und unsere Plattform zur Datenkonvergenz lassen sich nahtlos in bestehende Umgebungen integrieren und verändern die Spielregeln bereits heute“, sagt Bertrand Gruson, Präsident der CONEX-Gruppe.

KI-Agenten übernehmen die Verarbeitung von Zolldokumenten
Ein Schwerpunkt des Markteintritts liegt auf der automatisierten Verarbeitung von Handels- und Logistikdokumenten. Dafür bietet CONEX den KI-Agenten LEO via conex an. Die Software extrahiert Informationen aus den Dokumenten und soll die Zuverlässigkeit der Daten verbessern, bevor diese für Zollanmeldungen verwendet werden.
Ergänzt wird das Angebot durch die Plattform ZEN via conex. Sie dient der gemeinsamen Verwaltung von Zolldaten und Zollprozessen und ist darauf ausgelegt, mit bereits vorhandener Zollabwicklungssoftware zusammenzuarbeiten. Nach Angaben des Unternehmens ist die Integration unabhängig vom jeweiligen Softwareanbieter möglich.
Damit verfolgt CONEX einen Ansatz, bei dem bestehende Deklarationssysteme nicht ersetzt, sondern um zusätzliche Funktionen für die Datenverarbeitung und Prozesssteuerung ergänzt werden. Gerade für Unternehmen, die bereits über etablierte Zollprozesse verfügen, ist diese Integrationsfähigkeit ein wesentlicher Bestandteil des Angebots. Die KI in der Zollabwicklung soll dort ansetzen, wo Daten aus unterschiedlichen Dokumenten und Systemen für die weitere Bearbeitung zusammengeführt werden müssen.
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KI unterstützt auch bei der Zolltarifierung
Neben der Dokumentenverarbeitung gehört die Zolltarifierung zu den Einsatzbereichen der angebotenen KI-Agenten. Dafür stellt CONEX die Datenbank TARIFF via conex bereit, die Informationen zur Einreihung von Waren in den Zolltarif sowie regulatorische Inhalte umfasst.
In diese Anwendung ist der KI-gestützte Dialogagent ALBA integriert. Er soll Anwender bei Fragen zur Zolltarifierung unterstützen und den Zugang zu den entsprechenden Informationen erleichtern. Weitere Bestandteile des Portfolios sind CUSTOMS via conex und SAFE via conex. Diese Lösungen decken nach Unternehmensangaben die verschiedenen Zollverfahren sowie Vorab- und Sicherheitsformalitäten ab.
Die Softwareplattformen werden zudem durch Blockchain-Technologien ergänzt. CONEX setzt diese nach eigenen Angaben ein, um die Integrität der verarbeiteten Daten sicherzustellen. Damit umfasst das Angebot neben der KI-gestützten Dokumentenanalyse auch Funktionen zur Prozessautomatisierung und zur Verwaltung zollrelevanter Informationen.
Deutsches Zollrecht erfordert lokale Fachkompetenz
Mit der Gründung der CONEX GmbH in Saarbrücken schafft das Unternehmen zugleich eine organisatorische Grundlage für die Betreuung deutscher Kunden. Ein Team aus Fachleuten für das deutsche Zollrecht soll die Einführung der Software begleiten und Unternehmen bei regulatorischen Fragen unterstützen. Zu den Aufgaben gehören das Monitoring rechtlicher Entwicklungen, die Beratung der Kunden sowie die Unterstützung bei der Implementierung der Lösungen.
CONEX setzt damit auf die Verbindung einer gemeinsamen technologischen Plattform mit nationaler Zollkompetenz. Hintergrund ist, dass die Zollabwicklung trotz gemeinsamer europäischer Regelungen in der Praxis durch die jeweiligen nationalen Systeme und administrativen Anforderungen geprägt wird.
„Eine Zolllösung ist nur so gut wie ihr Verständnis der praktischen Anforderungen vor Ort. Die CONEX GmbH baut auf die Expertise deutscher Zollspezialisten, die direkt mit unseren Kunden zusammenarbeiten, ohne zwischengeschaltete Instanzen. In Deutschland verfolgen wir denselben Ansatz, der uns auch in anderen Ländern erfolgreich gemacht hat: eine gemeinsame technologische Basis kombiniert mit lokaler Fachkompetenz, die auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Unternehmens zugeschnitten ist“, erklärt Bertrand Gruson.
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Deutschland als Ausgangspunkt für den deutschsprachigen Markt
Die neue Niederlassung in Saarbrücken soll nicht nur deutsche Unternehmen betreuen. Nach Angaben der CONEX-Gruppe eröffnet die Präsenz zugleich den Zugang zum gesamten deutschsprachigen Markt.Der historische Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Orchies nahe Lille in Frankreich. Weitere Standorte bestehen in Paris sowie über Tochtergesellschaften in Belgien, dem Vereinigten Königreich, Irland und Dänemark. Mit Deutschland erweitert CONEX dieses europäische Netzwerk.
Für den deutschen Markt stellt das Unternehmen vor allem die Integration seiner KI-Agenten in bestehende Zollsysteme in den Vordergrund. Die Verbindung von automatisierter Dokumentenverarbeitung, Zolltarifierung und zentraler Datenverwaltung soll Unternehmen dabei unterstützen, den Aufwand für die Bearbeitung von Zollformalitäten zu reduzieren.


